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Frank Pauls über Diskussionskultur

Anlässlich unseres Mai-Stammtischabends 2019 hatten wir einen besonderen Gast im Carlhäusl: Frank Pauls, Leiter des AV-Kreises Essen und erster Vorsitzender des AV-Dialogs, stellte uns vor, wie man konstruktive Diskussionen im Umfeld von Audiovision erzeugen oder fördern kann. Wir hatte eine große Zahl an Zuhörern, sogar Frank Kießling war extra aus dem Allgäu gekommen.

Wir alle kennen die Situation: jemand zeigt seine neueste AV-Schau, die vielleicht noch den ein oder anderen Mangel hat, oder es kommt gar ein neuer AV-Interessent, der seine erste Schau programmiert hat, und hinterher stellt sich die Frage: „Wie sage ich es meinem Kinde...“ Einerseits möchten wir dem Autor helfen, die Schau zu verbessern, andererseits möchten wir ihm nicht den Spaß und das Erfolgserlebnis nehmen. Frank testete unsere Reaktionen ganz praktisch anhand einer nicht gerade überragenden Produktion aus: was haben wir gesagt, wie haben wir es gesagt?

Die Frage der angemessenen Kritik stellt sich nicht nur im AV-Umfeld, sondern auch in der modernen Arbeitswelt. Frank erinnerte uns an die unterschiedlichen Stile von Chefs, die von „Vorgesetzter“ (im Sinne eines autoritäreren Gruppenleiters, der nur im Falle schlechter Umsetzung zu seinen „Untergebenen“ kommt) bis „Führungskraft“ (im Sinne einer Persönlichkeit, die ihre Mitarbeiter wirklich führt) reichen. Arbeitspsychologen haben sich viel mit dem Problem befasst, wie man die Kommunikation so führen kann, dass es nicht zu einer Blockadehaltung des Kritisierten kommt, sondern das Problem sachgerecht gelöst werden kann. Denn man darf nie vergessen, was die Ziele sind: Missstände abstellen, Abweichungen eingrenzen, Verbesserungen herbeiführen und nicht, Schuld zuweisen oder gar die Kritik dazu nutzen, sich selber positiv ins Bild zu setzen.

Im AV-Umfeld ist es auch ganz wichtig zu berücksichtigen, dass sich die Maßstäbe in den letzten geändert haben. Was wir vor 10 oder 20 Jahren noch attraktiv fanden, könnte heute „out“ sein. Wenn wir einen bestimmten Punkt kritisieren, liegt es vielleicht nur daran, dass wir früher Dinge gelernt haben, die eventuell heute überholt sind. Wir müssen uns bewusst machen, dass auch die Kritisierenden nicht allwissend sind, sondern Meinungen haben, die auch als Meinung erkennbar sein sollen.

Schließlich kam Frank zur wichtigsten praktischen Folgerung: Wie lassen sich diese Überlegungen im AV-Stammtisch umsetzen? Die Antwort: Bildet Gruppen A und B, von denen eine nur die positiven Aspekte einer Schau herausarbeitet, die andere ausschließlich die negativen. Das hat zwei Effekte: in der Gruppe werden extreme Meinungen eingebremst und nicht gleich schroff dem Autor gegenüber geäußert. Außerdem werden die guten Seiten der Produktion ausreichend gewürdigt. Ganz allgemein sollte eine Kritik an einer Schau immer mit Positivem enden. Für den Fall, dass es doch noch zu harschen oder persönlichen Aussagen kommt, empfiehlt Frank unbedingt einen Moderator, der die Diskussion gegebenenfalls in die korrekten Bahnen lenkt. Wir Hörer danken diesen einsichtsreichen Abend mit großem Applaus.

Lieber Frank, vielen Dank, dass du dich auf den weiten Weg vom Niederrhein gemacht hast und uns auf diese erinnerungswürdige, interaktive Weise nahe gebracht hast, wie wir unsere Diskussionskultur verbessern können!

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